EINFÜHRUNG

Als junge Kunsthistorikerin und Museologin liebe ich es zu reisen und neue Erfahrungen zu machen. Jeder Umzug in eine neue Stadt, in ein neues Land bedeutet auch immer für mich, eine neue Kunstszene kennenzulernen. Ich habe mich erfolgreich in der Kunstwelt Kroatiens, Krakaus und Venedigs bewegt, habe dort gelebt und gearbeitet. Hamburg fand ich immer schon interessant und eines Tages habe mich entschieden, in diese Stadt im Norden Deutschlands zu ziehen.

Jede Kunstszene ist ein lebendiges Phänomen mit seiner eigenen Sprache und Atmosphäre. Diese Sprache will ich lernen, das heißt, ich möchte Teil des Hamburger Kunstgeschehens werden. Auf diese Weise kann ich meine Eindrücke und Gedanken über das, was sich in Hamburg ereignet, an meine Leser weitergeben.

Ein Blog über die Kunst in Hamburg zu schreiben, wird mich näher an das heranführen, was mich am meisten interessiert. Es wird mich ermutigen, Ausstellungen, Vorträge, Street Art Points und Kunststudios zu besuchen, vielleicht auch Interviews zu führen. Ich werde meiner Leidenschaft nachgehen, meine Schreibfähigkeiten entwickeln und meinen kuratorischen Ehrgeiz füttern.

hamburg-skyline

Die Inspiration für den Namen contemporary.gray kam mir vor ein paar Jahren, als ich mit sehr lieben Freuden zusammensaß. Wir tranken Kaffee und haben alles Mögliche diskutiert, bis das Thema „Kuratoren“ aufkam. Damals wollte ich unbedingt auch als Kuratorin arbeiten, meine Freunde zogen mich damit auf und empfahlen mir, mich „contemporary gray“ zu kleiden. Das kam rüber als deutliche Kritik an dem stereotypen Aussehen der Kuratoren, die nicht nur Museen und Galerien kuratieren sondern vor allem auch sich selbst. Wir amüsieren uns ständig darüber, wie das minimalistische Farbdesign: Schwarz, Weiß und Grau glorifiziert und mit dem Ziel der Abgrenzung vom farbenfreudigen, dekorativem „Kitsch“ eingesetzt wird. Ich nenne meinen Blog contemporary.gray mit einen Augenzwinkern und möchte damit die üblichen Stereotypen über die Welt der Kunst differenziert beleuchten.

Bevor ich nach Hamburg zog, haben mir viele erzählt, die Kunstszene dort sei klein, langweilig und leblos. Ich habe jedoch hier entdeckt, dass diese Kritik meist unbegründet ist. In der Tat ist die Szene hier in Hamburg klein, aber sie ist auch sehr lebendig, vielschichtig und vieles daran fasziniert mich. Mit diesem Blog unternehmen wir eine gemeinsame Reise in die Hamburger Kunstszene, zum kreativen Geist der Straßen, der Künstlerateliers, der Galerien und Museen dieser Stadt. Wir tauschen unsere Gedanken und Ideen aus sowie kunsthistorisches Wissen und innovative Geistesblitze.

Ich möchte über mich erzählen, genauer darüber, was meine Sicht auf die Kunst ist und was mich interessiert. Ich bin immer darum bemüht, eine Verbindung zwischen Kunst und den Menschen, die sie “konsumieren”, herzustellen. Viele Menschen äußern eine skeptische Meinung zur zeitgenössischen Kunst. Sie neigen dazu, den “Kunstcharakter“ dieser Objekten in Frage zu stellen. Darüber möchte ich ins Gespräch kommen.

Warum finde ich „Kunst, die niemand versteht“ so aufschlussreich und spannend? Hier sind einige meiner theoretischen Gedanken zum Thema „zeitgenössische Kunst“.

Jede Epoche hat ihre eigenen Regelkanon, und zeitgenössische Kunst ist davon nicht ausgeschlossen. Was die meisten Leute als störend empfinden, ist die Tatsache, dass die heutige Kunst nicht einfach zu betrachten, zu verstehen oder zu mögen ist. Daher tendieren viele dazu, ihre Qualität anzuzweifeln. Warum sollten sie das auch nicht tun? Warum sollten wir uns für irgendwelche Kunstwerke begeistern, bei denen wir uns unbehaglich oder unsicher fühlen? Es mag eine Verallgemeinerung sein, wenn ich das so ausdrücke, aber in meiner Wahrnehmung neigt die moderne Kunst dazu, zweideutig zu sein, zu kritisieren, zu verspotten und versucht ebenso häufig, Meinungen zu beeinflussen.

Zur Verteidigung der zeitgenössischen Kunst möchte ich jedoch einen bestimmten Kontext beleuchten.

Beginnend mit der Romantik entwickeln sich die Kunstwerke spürbar subjektiver, origineller und innovativer. Dieser Trend wird sich durch das ganze 20. Jahrhundert fortsetzen und findet seinen Höhepunkt zum Ende dieses Zeitraums. Von der Wahrnehmung des Kunstwerks als solches stellt das Publikum immer mehr Fragen zum gesellschaftlichen Kontext, seiner Entstehungsgeschichte, Einordnung und Deutung. Diese Tendenz deutet darauf hin, dass die Kunstwerke für die Allgemeinheit meist unverständlich geworden sind. In den 60er Jahren gibt es dann einen Paradigmenwechsel vom Modernismus zur Postmodernen. Die Moderne gilt von jetzt an nicht mehr als die wichtigste Plattform für die Interpretation von Kunst, Kultur und Gesellschaft. In der Postmodernen werden Kunstwerke selbst zu theoretischen Artefakten und verändern die Definitionen dessen, was Kunst ist oder sein sollte. Die Verschiebung bedeutet auch eine Veränderung des Status von Kunst. Die Kunst wird aus ihrem autonomen Bereich des rein Visuellen in den Bereich der Kulturtheorie und der Kunstwelt versetzt.

In der Gegenwartskunst, der Postmodernen, so wie sie Nicolas Bourriaud versteht, kreiert ein Kunstwerk einen sozialen Interaktionsraum, in dem radikale Veränderungen ästhetischer, kultureller und politischer Ziele stattfinden.

Um die Bedeutung der zeitgenössischen Kunst zu erfassen, bedarf es deshalb zunehmend Erklärungen und Interpretationen. So wird immer deutlicher, dass sich Kunsttheorie als Vermittlerin zwischen Kunst und Kultur versteht.

Ich glaube, dass dieser spezifische Charakter, der sich in der postmodernen Kunst herausbildet, verstanden werden kann. Betrachter können dabei Unterstützung erhalten, um kritisch und engagiert Kunst zu beobachten. Wenn ein spezifisches Kunstwerk unserer Zeit tiefer erfasst werden kann, dann ist es auch möglich, umfassendere Konzepte der Gegenwartskunst leichter zu verstehen. Mein Wunsch ist es, mit den Hamburger Kunstinteressierten darüber in den Austausch zu gehen. In jedem post werde ich zu ausgewählten Themen zu einen meine persönlichen Gedanken vorstellen als auch für diejenigen einen theoretischen Rahmen anbieten, die sich eine tiefere Einsicht in die urbane Gegenwartskunst wünschen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s